2014-02-11

Nuclear Religion at Strychnin, Berlin

Vom Ursprung ihres Wesens vermag die Fotografie eins, nämlich endlos zu reproduzieren, was nur ein Mal stattgefunden hat. Sie wiederholt mechanisch, was sich nicht mehr wird wiederholen können. Damit vermag sie einem einzigen Moment die absolute Bedeutung zu verleihen und es zu einer Ikone erstarren zu lassen.
Fotografie sagt immer: "Das da, genau das ist es! Schau hin!" Zeigt man eigene Fotografien einem anderen, so wird er sogleich die eigenen Bilder hervorholen. So ist Fotografie ein ständiger Wechselgesang von Aufforderungen zum Hinschauen. Dem Gedanken des Dialogischen folgt auch die Ausstellung Nuclear Religion in der Galerie Strychnin, indem in den Haupträumen der Galerie die fotografischen Arbeiten von Davey Jones und Dayvid LeMmon gezeigt werden. Beide Künstler arbeiten mit Fotografie. Beide sind jedoch keine Fotografen, denn durch digitale Bildmanipulation und Post Produktion erreichen sie Effekte, die über reine Fotografie hinausweisen.
Davey Jones versucht eine ganze Geschichte in nur einem einzigen Bild zu erzählen. Die Entwicklung vom Konzept bis zur Realisierung eines Bildes kann bis zu mehreren Monaten dauern. Es werden Kulissen und Requisiten, Kostüme und andere Bildlemente angefertigt. Wenn alles bereit ist, werden die einzelnen Szenen mit den Schauspielern geprobt und koordiniert, bis das endgültige Setup mit Licht, Make-up und Garderobe steht. Wenn dann die Negative entwickelt und gescannt sind, verbringt Jones Wochen oder gar Monate mit der Post Produktion, in der alle fotografischen Elemente zum fertigen Bild zusammengesetzt werden. Dadurch daß er eine ganze Reihe von sowohl digitalen als auch traditionellen Werkzeugen benutzt, arbeitet Jones von der Methode her wie ein Historienmaler. Das Resultat knüpft auch formal an die Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts und mutet die düstere Stimmung eines viktorianischen Herrenzimmers an, was durch die Rahmung der Bilder zusätzlich betont wird.
Dayvid LeMmon bekam bereits sehr früh in der Dunkelkammer seines Großvaters eine Einführung in die Fotografie und hat einen Großteil seines Lebens mit einer Kamera in der Hand verbracht. Er wurde klassisch geschult in traditioneller schwarz-weißer Fotografie und ist Autodidakt im Bereich der Digitaltechnik. Seine Bilder enthalten zwischen 3 und 15 verschiedene Fotografien, die zu einer konstruierten Welt zusammengefügt werden. Dabei bedient er sich der Technik der fotografischen Collage mit dem Unterschied, das sie digital stattfindet. LeMmon versteckt Anspielungen auf Technologie, elektronische Kommunikation, die Massenmedien, Spiritualität, Religion oder Architektur und das erzielte Ergebnis kommt einer Radierung sehr nahe.
Wenn auch sehr unterschiedlich die Arbeiten der beiden Künstler auf den ersten Blick wirken, verraten sie eine im Kern gleiche Haltung. Beide sind auf eine gewisse Art Romantiker, wobei die von LeMmon benutzten Bildsujets eine starke Affinität zu romantischen Malerei eines Caspar David Friedrichs oder Phillip Ottos Runges aufweisen. Beide sind auch auf gewisse Weise konservativ. Ihre Arbeiten scheinen mehr im gestern als im heute verankert zu sein. Und beide benutzen zwar die Kamera, aber sie ist für sie kein Werkzeug, das sie für Entdeckung des besonderen Moments des Alltäglichen nutzen. Sie bedienen sich ihrer wie sich die Maler des Stiftes oder des Pinsels bedienen. Und zuletzt, es scheint, als würde den beiden der Mut zu größerem Format fehlen, insbesondere bei Jones, der Kompositionen entwickelt, die nach Übergroßen schreien, sie aber in kleine dunkle Budouirerahmen zwingt.

 
 
 

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